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Freizeitgestaltung der Jugendlichen von Lusjena Ruder Die Freizeitgestaltung spielt eine bedeutende Rolle bei der Integration der Jugendlichen im Aufnahmeland. Freizeitaktivitäten im Herkunftsland sagen vieles über Interessen und Wünsche eines Jugendlichen aus und bestimmen sein Verhalten. Kenntnisse über Freizeitgewohnheiten ermöglichen einen Einblick in die sozialen Beziehungen der Jugendlichen in einem nichtfamiliären Bereich und außerhalb von Schule, Ausbildung oder Beruf.
Einige der Jugendlichen konnten dagegen noch von den außerschulischen Angeboten profitieren, die das frühere sowjetische Schulsystem gekennzeichnet haben. In den Schulen, in den Pionier- und Jugendpalästen oder in den städtischen Kulturhäusern wurden in vielen verschiedenen Zirkeln für viele Altersstufen Musik- und Kunstunterricht, Tanz, Sport sowie verschiedene technisch-mathematische Programme etc. angeboten. Vor der Auflösung der Sowjetunion waren diese Angebote größtenteils kostenfrei zugänglich. Auf Grund der Finanzmisere, in der sich das Bildungssystem befindet hat sich das geändert; das Angebot ist viel kleiner geworden und muss bezahlt werden, so können vorwiegend Kinder und Jugendliche aus bessergestellten Familien daran teilnehmen. In den ländlichen Regionen gibt es diese Angebote im noch geringerem Umfang. In Russland wurde 1992 ein neues Bildungsgesetz erlassen, in dem außerschulische Freizeitangebote unter dem Begriff „ergänzende Bildung“ figurieren. Sie erreichen nur etwa 30% der russischen Schülerpopulation.(1) Die Umstellung von der ideologisch geprägten sowjetischen Jugendarbeit auf die offene Jugendarbeit westlichen Vorbildes, befindet sich noch spürbar in den Anfängen. Die Auflösung der Pionier- und Komsomolorganisationen hat an vielen Orten zu einer Leere geführt, die durch keine anderen Einrichtungen oder Angebote gefüllt wurde. Viele Konzepte und Vorschläge scheitern an der finanziellen Situation, es gibt kaum staatliche Unterstützung. Vor allem in dem Bereich der Arbeit mit der ständig wachsenden Gruppe sozial gefährdeter oder drogenabhängiger Jugendlicher fehlen Fachkräfte bzw. Gelder und Entwürfe. Die kommerziellen Angebote, die nur wenige bezahlen können, gibt es dagegen in vielfältigem Assortiment, vor allem im sportlichen Bereich besteht ein großes Angebot. Auch Bars und Cafes bieten sich inzwischen in größeren Städten als attraktive Treffpunkte für junge Leute an, die zu besuchen aber leider nicht billig ist und nur für wenige möglich. So bleibt vielen Jugendlichen nur die altbewährte, sozusagen traditionelle Weise ihre Freizeit zu verbringen. Sie verbringen ihre Freizeit vorwiegend auf der Strasse, hier fühlen sie sich wohl und unbeobachtet. Gerade auf der Strasse bekommen viele Jugendliche zum ersten Mal das Gefühl frei zu sein, die Strasse ist für sie eine Chance endlich der Kontrolle der Eltern und anderer Erwachsener zu entfliehen. Hier wird man akzeptiert und als erwachsener Mensch angesehen und gerade hier werden meistens zum ersten Mal Dinge probiert, die zu Erwachsensein gehören und die zu Hause nicht erlaubt werden. Daher gehören Rauchen, Alkoholtrinken, vulgäre Musik hören, zum ersten Mal Intimsein zu den beliebtesten Tätigkeiten bei diesen Jugendlichen. Dies gibt ihnen die Möglichkeit Freiheit und Unabhängigkeit zu erleben. Deshalb erstaunt es nicht, dass alle befragten jugendlichen Aussiedler, unabhängig von Geschlecht, Alter, Bildungsniveau, Stadt oder Land als besonders beliebte Freizeitbeschäftigung im Herkunftsland das Zusammensein mit Freunden und Bekannten angaben.(2) Tabelle 1: Freizeitgestaltung jugendlichen Aussiedler im Herkunftsland
Diese Daten sind entnommen aus: Jugendliche Aussiedler – Porträt einer Zuwanderungsgeneration, Dietz / Roll, 1998, S. 114 Im Kreise der Familie bzw. der Verwandten freie Zeit zu verbringen bevorzugen aber nur wenige Jugendliche. Das zeigt, dass das Zusammensein mit Gleichaltrigen auch für die Jugendlichen aus der ehemaligen Sowjetunion immer mehr an Bedeutung gewinnt. Obwohl für die meisten russlanddeutschen Jugendlichen die Familie ein zentraler Orientierungspunkt ihres Lebens ist, ist dennoch der Umgang innerhalb ihrer Peer Group ein wichtiger Anstoß für sie eigene, nicht in der Familie gewohnte Lebensentwürfe zu erproben. |
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Copyright [ Leuschner ] 12. 2004 | |