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Da das Schicksal und die Geschichte der Deutschen aus Russland

in der Öffentlichkeit immer noch wenig bekannt sind, hier ein Überblick:

Erstellt von Anastasia Dederer

 

 
1652 - 1726 1727 - 1799 1800 - 1889 1900 - 1828 1929 - 1969 1970 - 1998
   

1652

 

Gründung der "Deutschen Vorstadt" ("Nemeckaja Sloboda") in Moskau.

 

1727

 

"St. Petersburger Zeitung", die erste deutsche Zeitung in Russland, erscheint. (1916 verboten, 1991 wieder gegründet).

1765

 

Gründung der Herrenhuter Gemeinde in Sarepta/Wolga.

 
1763 22. Juli

Manifest der Kaiserin Katharina II. (Zarin von 1762-1796): Aufruf an alle Ausländer zur Einwanderung nach Russland.

 
1764 19. März Kolonialkodex: Festlegung der Agrarordnung in den Kolonien.  
1764 29. Juni Dohrinka, die älteste Wolgadeutsche Kolonie gegründet.  
1773  

Gründung der Erzdiözese Mohilew, Residenz St. Petersburg, zuständig für alle Katholiken inRussland.

1789  

Juli-Chortitza, erste mennonitische Kolonie in Südrussland am Dnjepr gegründet; auch "Altkolonie" genannt.

 
1793   Gründung der Hafenstadt Odessa.  
.1800 6. Sep Gnadenprivileg Pauls I (1796-1801) zugunsten der Mennoniten.  
 1804 20. Februar

Manifest Alexanders I. (1801-1825) Einladung zur Ansiedlung Deutscher im Schwarzmeergebiet. Reisebeschreibung über die Fahrt von Ulm bis ans Schwarze Meer (1817)

 
1804  

Gründung zahlreicher Kolonien im Schwarzmeergebiet durch Einwanderer aus Süddeutschland und Danzig-Westpreißen.

 
1819 25. Oktober

Generalkolonistorium für die evangelischen Kirchen in Saratow/ Wolga gegründet .

 
1822  

Gründung der ersten weiterführenden Schule, der "Orloffer Vereinsschule", im Siedlungsgebiet der Mennoniten an der Molotschnaja.

1838 9. November Nikolaus I. (1825 - 1855) bestätigt die Privilegien der Kolonisten.  
1842  

Kodifizierung aller Freiheiten, Rechte und Pflichten der Kolonisten und Verleihung derBürgerrechte an die Kolonien.

 
1871 4./16. Juni

Aufhebung des Konolialstatus der "ausländischen Kolonien" (u.a. Aufhebung der Selbstverwaltung der Kolonien).

 
1874  

Einführung der Allgemeinen Wehrpflicht. Für Mennoniten, als Ersatz Forsteidienst, Beginn der Auswanderung nach Nord- und Südamerika.

 
1879 7. Oktober

Deutsch-österreichisches Bündnis (Zweibund), Folge: Verschlechterung der Lage der Deutschen in Russland.

 
 1881 13. März

 Ermordung Alexanders II. danach Thronbesteigung Alexanders III. (1881 - 1894). Beginn der Russifizierung. 24. Mai - Einweihung der Katholischen Kathedrale in Saratow.

 
1904-05  

Russisch-japanischer Krieg. Niederlage Russlands führt zu teilweiser Liberalisierung. Dadurch neuer wirtschaftlicher und kultureller Aufschwung in den deutschen Kolonien.

 
1908   Geschlossenes deutsches Siedlungsgebiet entsteht in der Kulundasteppe (Sibirien).
1914 1. August

Ausbruch des Ersten Weltkrieges. 300 000 Deutsche dienen in der russischen Armee. Trotzdem werden auch die "inneren Deutschen" zu Feinden des Russischen Reiches erklärt.

 
1915 2. Februar und 13. Dezember

Liquidationsgesetze. Deutscher Landbesitz in einem Grenzstreifen von 150 km im Westen und am Schwarzen Meer soll liquidiert werden. Später Ausdehnung auf andere Gebiete bis zum Ural geplant.

 
1915 27. Mai

Pogrom gegen Deutsche in Moskau. Viele Geschäfte werden geplündert, 40 Deutsche verwundet, drei ermordet.

 

1917

15. März

Abdankung Nikolaus II. (Februarrevolution).  Alsbald Aufhebung der Liquidationsgesetze.

  20. - 23. April

Erster gesamtdeutscher Kongress in der Geschichte der Deutschen in Russland. Gründung eines Zentralkomitees aller Russlanddeutschen.

 
  7. November Bolschewistische Revolution  
  25. Oktober

Oktoberrevolution

1918 3. März

Frieden von Brest-Litowsk. Repatriierungsklausel zugunsten der Deutschen in Russland.

 
  19. Oktober

Der Rat der Volkskommissare Russlands genehmigt per Dekret die Gebietsautonomie der Wolgadeutschen ("Arbeitskommune").

 
1923 16. Mai

Gründung des Allrussischen Mennonitischen Landwirtschaftlichen Verbandes (A.M.L.V.).

 
1924 6. Januer Gründung der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik (ASSR) der Wolgadeutschen.  
  20. Februar

Gründung der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik (ASSR) der Wolgadeutschen. Hauptstadt Engels (Pokrovsk).

 
1921-27  

Neue Ökonomische Politik (NÖP). Vorübergehende Erholung in den deutschen Kolonien. Allgemeiner Aufschwung.

 
1927   Letzte Siedlungsneugründungen am Amur.  
1928  

Beginn der Kollektivierung, Entkulakisierung und Schließung der Kirchen.

1929 November/

Dezember

ca. 14.000 Deutsche aus allen Teilen des Landes sind mit ihren Familien nach Moskau aufgebrochen in der Hoffnung, eine Ausreiseerlaubnis zu bekommen. Nach langen Verhandlungen werden 5671 in Deutschland - nur zur Durchreise(!) - aufgenommen, von wo sie nach Nord- und Südamerika weitergeleitet werden. Die anderen werden gewaltsam und unter unmenschlichen Bedingungen zurücktransportiert.  
1938  

In allen deutschen Schulen außerhalb der Wolgadeutschen Republik wird Russisch bzw. Ukranisch als Unterrichtssprache eingeführt.

 
1938/39   Auflösung aller deutschen Rayons außerhalb der ASSRdWD.  
1939 23. August Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt  
  1. September Ausbruch des Zweiten Weltkrieges (1939-1945)  
1941 22. Juni Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges.  
  Ab Juli Deportation der Deutschen aus den westlichen Teilen der Sowjetunion (Krim, Kaukasus, Teile des Schwarzmeergebiets).  
  25. August

Deutsche Truppen besetzen Dnjepropetrowsk / Dnjepr. Die Deutschen westlich des Dnjepr entgehen weitgehend der Verbannung.

 
  28. August Beginn der Verschleppung der Wolgadeutschen nach Sibirien und Mittelasien aufgrund eines Dekrets vom selben Datum.
1944 10. April Sowjetische Truppen besetzen Odessa. Ca. 350 000 Russlanddeutsche werden im Wartheland angesiedelt, wo sie die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten.               ( Erfahrungsbericht.der Zeitzeugin  Emmi Kubera)  
    Sowjetische Truppen besetzen Odessa. Ein Teil der Schwarzmeerdeutschen wird im Warthegau angesiedelt.
1945 12. Januar Beginn der sowjetischen Winteroffensive. Viele Deutsche sind auf der Flucht
  8. Mai

Bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Massenweise Zurückverschleppung der Russlanddeutschen aus allen Besatzungszonen nach Sibirien und Mittelasien.

1948 26. November

Dekret des Obersten Sowjets: Verbannung auf "ewige Zeiten" festgeschrieben. Verlassen der Ansiedlungsorte ohne Sondergenehmigung mit Zwangsarbeit bis zu 20 Jahren bedroht.

1949 23. Mai  Gründung der Bundesrepublik Deutschland.
1950 5. August

Charta der deutschen Heimatvertriebenen, der sich auch die Russlanddeutschen angeschlossen haben: Verzicht auf Rache und Vergeltung und Bekenntnis zu Europa.

1955 22. Februar

Durch Beschluss des Deutschen Bundestages werden die im Krieg erfolgten Einbürgerungen von Russlanddeutschen anerkannt.

  9.-13. September Besuch des Bundeskanzlers Dr. Adenauer in Moskau.
  13. Dezember

Dekret des Obersten Sowjets "Über die Aufhebung der Beschränkungen in der Rechtsstellung der Deutschen und ihrer Familienangehörigen, die sich in der Sondersiedlung befinden". Aber: Keine Rückgabe des bei der Verbannung konfiszierten Vermögens und Verbot der Rückkehr in die ehem. Heimatkolonien.

1957  

"Neues Leben", erste überregionale deutsche Zeitung nach dem Krieg, erscheint in Moskau. 1966 folgt die "Freundschaft" als "Tageszeitung der sowjetischen Bevölkerung Kasachstan" (heute "Deutsche Allgemeine Zeitung" in Alma-Ata).

1958 8. April

Deutsch-sowjetische Übereinkunft über Familiezusammenführung und Zusammenarbeit der Rot-Kreuz-Gesellschaften beider Staaten.

1959 24. April Deutsch-sowjetisches Abkommen über die Familienzusammenführung.
1964 29. August

Erlass über die Teil-Rehabilitierung der Wolgadeutschen und Aufhebung des Deportationsdekrets vom 28. August 1941  (gilt auch für alle anderen Deutschen in der UdSSR).

1966 19. Dezember

Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte: Recht auf freie Ausreise und Minderheitenschutz garantiert. Von der UdSSR am 23. März 1973 ratifiziert.

1970 12. August

Abschluss des Moskauer Vertrages zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der UdSSR über gegenseitige Gewaltverzicht. Aussiedlerzahlen steigen.

 
1972 3. November

Freie Wahl des Wohnsitzes auch für Deutsche per Dekret zugesagt.  Der Ukas wird aber nicht veröffentlicht.

 
1975 1. August

Unterzeichnung der KSZE-Vereinbarungen von Helsinki. Weiteres Ansteigen der Aussiedlerzahlen ist nur von kurzer Dauer (Tief punkt 1985: 460 Personen).

 
1979   Scheinversuch zur Gründung einer deutschen Autonomie in Kasachstan.  
1981   Deutschsprachiges "Dramentheater" gegründet (zuerst in Temirtau, heute Almaty).  
1984 8.November

28. März 1985

Debatten im Deutschen Bundestag über die Lagen der Deutschen in der SU und über den starken Rückgang der Aussiedlerzahlen. Einmütige Aufforderung an die Bundesregierung, Maßnahmen zur Verbesserung zu ergreifen.

 
1986 28. August

Neues Gesetz über Ein- und Ausreise erleichtert die Familienzusammenführung. Danach stetiger Anstieg der Aussiedlerzahlen: 1987 waren es 14.488, 1989 - 98.134 und 1992  195.576 AussiedlerInnen.

1989 Ende März

Gründung der deutschen Gesellschaft "Wiedergeburt". Ihr oberstes Ziel: die Wiederherstellung der Wolgarepublik.  An der Wolga öffentliche Proteste gegen die Rückkehr der Deutschen.

 
1990 1. Januar

Einwanderungs-Anpassungsgesetz (EAG). Erhebliche Leistungskürzungen für die Aussiedler und Zuweisung eines vorläufigen Wohnsitzes für zwei Jahre.

 
  1. Juli

Aussiedler-Aufnahme-Gesetz (AAG). Verfahren zur Aufnahme kann nur vom Herkunftsgebiet betrieben werden.

 
1991 1. Juli

Wiederherstellung des 1938 aufgelösten deutschen Rayons Halbstadt (Nekrassowo) im Altai

 
1992 18. Februar

Oberster Sowjet der UdSSR beschließt Gründung des deutschen Rayons Asowo/Gebiet Omsk.

 
  21. Februar

Dekret des russ. Präsidenten Jelzin über die Bildung eines deutschen Rayons und eines deutschen Bezirks (Okrug) in den Gebieten Saratow und Wolgograd.

 
  10. Juli Protokoll zwischen Deutschland und Russland zur stufenweisen (4-5 Jahre) Wiederherstellung der Wolgarepublik, August - Umfrage im Gebiet Saratow ergibt Mehrheit gegen Autonomie der Deutschen (in ländlichen Bezirken bis zu 80 Prozent).
1993 1. Januar

Kriegsfolgenbereinigungsgesetz (KfbG). Erhebliche Leistungseinschränkungen für Spätaussiedler und Festlegung einer Aufnahmequote von ca. 200.000 jährlich.

  26. - 28. Februar

3. Kongress der Deutschen der ehem. UdSSR. Der vom Kongress neu gebildete Zwischenstaatliche Rat der Russlanddeutschen wird beauftragt, die Interessen aller Russlanddeutschen wahrzunehmen, ein gesamtnationales Referendum durchzuführen und die Wahl eines Volkstages (als Vorparlament) vorzubereiten.

1996 1. März 2. Wohnortzuweisungsgesetz
  17. Juni Gesetz über die nationalkulturelle Autonomie in der Russischen Föderation.
1997 19./20. Dezember Gründung der Föderalen Kulturautonomie der Russlanddeutschen.
1998 29. Mai

Der Deutsche Bundestag fordert auf zu einer verstärkten Förderung der Deutschen in den osteuropäischen Staaten und zu einer intensiveren Integration der Spätaussiedler, insbesondere der Jugendlichen, in der Bundesrepublik Deutschland.

     
    *(Quelle: DOD=Deutscher Ostdienst)+ Volk auf dem Weg. Deutsche in Russland und in der Sowjetunion (1763- 1986)
   

 

 
  Copyright [ Leuschner ] 12. 2004