Mein Name ist Sonja Richter und ich studiere im 5. Semester Sozialpädagogik.

Was bedeutet es, "deutsch-deutsch" zu sein und wer kann diesen Status mit Eindeutigkeit für sich behaupten? Wie äußern sich Unterschiede zu Russland-Deutschen, Polen-Deutschen, Ukraine-Deutschen usw.? Aus welchem Grund werden diese Unterschiede überhaupt gemacht und wer ist für diese Unterscheidung verantwortlich?

 

 

Viele Fragen, die nur eine Antwort über die konkrete Auseinandersetzung finden. Für mich war dies einer der Hauptgründe, im vergangenen Semester in die Lernwerkstatt einzusteigen.

Ausländische Kultur und Sprache faszinieren mich seit meiner Kindheit und ich verfüge heute über zahlreiche Kontakte über deutsche Grenzen hinaus. Meine langjährige Tätigkeit im Bereich der Organisation und Durchführung internationaler Jugendprojekte vertiefte u. a. meine Kontakte nach Russland als auch zu russlanddeutschen Familien.

Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit lernte ich meinen Mann kennen, der aus St. Petersburg stammt. Wir haben zwei Töchter im Alter von 7 und 9 Jahren. Mit und ohne meine Familie hatte ich oftmals Gelegenheit, nach Russland zu reisen und habe die dortige Lebensart und Kultur sehr schätzen gelernt. Meine Eindrücke und Erfahrungen sind mir ein ganz besonderer Schatz und vieles spiegelt sich in den mir bekannten russlanddeutschen Familien wider: die Gastfreundschaft, das abwechslungsreiche (Groß-)Familienleben, die Lebenskultur, die Ruhe für ein Gespräch.

 

 

Ich habe häufig Situationen in Deutschland erlebt, in denen ich der anderen, der fremden Seite, zugeordnet worden bin und kann daher das Gefühl vieler Migranten nachempfinden: eine unsichtbare aber spürbare Barriere, oftmals Erhabenheit, Ignoranz, Vorurteile und Intoleranz – meistens zu begründen mit Unwissenheit, Unsicherheit und leider auch mit Dummheit.

Eine Unwissenheit und Unsicherheit, die an die eigenen Kinder weitergegeben wird, die aber durchaus aufgeweicht, manchmal sogar aufgelöst werden kann – auch noch im Alter.

 

Nur wenn wir uns offen über die Grenzen hinaus bewegen, erweitern sich Horizonte und Einstellungen.

Die Unterstützung eines gegenseitigen Verständnisses und gegenseitiger Achtung ist mir ein ganz persönliches Anliegen.

Ich hoffe, dass ich im Rahmen dieses Projektes einen kleinen Beitrag in diesem Sinne leisten kann.