Ich, Natalie Hübert, bin am 21.05.1976 in Koktschetaw geboren. Koktschetaw, heute Kokschetau, ist ein Gebietszentrum, das im Nordwesten Kasachstans liegt. Die Stadt hat etwa 180.000 Einwohner, die heutzutage größtenteils zur kasachischen Bevölkerung zählen. Der Anteil an anderen Nationalitäten, z.B. Deutschen oder Russen, hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr reduziert. Die Ausreisegründe liegen heute insbesondere an der verschlechterten wirtschaftlichen Lage und ethnischen Ausgrenzungsprozessen.

 

Kokschetau liegt mitten in bildschönen Kur- und Erholungsorten wie Borowoje, Serenda oder Schjutschje, die an Bergen, Wäldern und Steppen reich sind. Damit lockt das Gebietszentrum viele Touristen an. Meine Heimatstadt ist ein kulturelles Zentrum mit vielen Sehenswürdigkeiten, Kinos, drei Universitäten, einigen Berufs- und Fachschulen, etwa 20 städtischen Schulen, in einer von denen ich meine Schulzeit verbracht habe.

 

Schon in der Schule war ich eine begeisterte Deutschschülerin, habe auch an einer städtischen Deutscholympiade teilgenommen. Über die Wahl meiner Fachrichtung an der Pädagogischen Universität in Kokschetau war ich nie im Zweifel. Ich habe mich damals für die deutsche Sprache und Literatur entschieden und meine Studienzeiten sehr genossen.

 

 Nach dem Studienabschluss und meiner kurzfristigen Lehrertätigkeit bin ich 1997 mit meinen Eltern und meiner Schwester, Lisa, nach Deutschland ausgereist. Mein Vater ist ein Deutscher, dessen Vorfahren ursprünglich aus Ostpreußen stammen.

In Deutschland habe ich ein zweites Studium der Sozialpädagogik an der Fachhochschule Köln erfolgreich abgeschlossen. Meine Schwerpunkte während des Studiums lagen in der interkulturellen sowie Kinder- und Jugendarbeit. Nach meinem Anerkennungsjahr befinde ich mich zur Zeit in der Bewerbungsphase als Dipl.-Soz.Päd. mit pädagogischen Erfahrungen einer Deutschlehrerin und genieße nebenbei meinen Einsatz in der schulischen und sozialen Einzelförderung von Kindern und Jugendlichen sowie die Gruppenleitung beim Kinderschutzbund in Köln.

 

Zur guten Letzt möchte ich hinzufügen, dass mir die Verabschiedung von meiner Heimat, engen Freunden, Verwandten, mit denen ich immer in Verbindung stehen werde, nicht einfach war. Das war aber eine Familienentscheidung, zu der ich bis heute stehe. Ich habe in Deutschland neue Menschen kennen gelernt, einen neuen Beruf erlernt, neue Freundschaften geschlossen, die mir auch sehr wichtig sind und die ich nie aufgeben würde. Es ist ein neuer Start in ein neues Leben, das für mich eine anspruchsvolle Herausforderung darstellt.