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Kinder im Trennungs- und Scheidungsprozess(von Birgit von Söhnen)1. Die Partnerschaft kann zerbrechen, aber die Elternschaft bleibt bestehen!Viele von uns kennen die Zahlen aus den Statistiken die belegen, dass heute ca. jede dritte Ehe geschieden wird, häufig sind gemeinsame Kinder davon betroffen. Auch innerhalb meines Freundes- und Bekanntenkreises hat diese Entwicklung ihre Spuren hinterlassen. So konnte ich in den letzten zwei bis drei Jahren mehrere Trennungen miterleben, von denen immer auch gemeinsame Kinder betroffen waren. Trennung und Scheidung ist für alle Beteiligten ein einschneidendes und schlimmes Ereignis, aber vor allem die Kinder leiden sehr darunter. Mir liegen daher insbesondere die Bedürfnisse und Interessen der Kinder am Herzen, weil sie häufig im Chaos der Trennung übersehen werden. Kaum ein Paar trennt sich leichtfertig, insbesondere wenn es gemeinsam Kinder hat. Dennoch ist es für viele Eltern schwierig, die Ängste und Sorgen ihrer Kinder aufzufangen, weil sie oft selbst so sehr in die eigene Problematik verstrickt sind. Wenn es jedoch gelingt, die Kinder in dieser schwierigen Phase zu unterstützen und zu begleiten, dann haben sie die Chance, diese Krise zu überwinden und gestärkt aus ihr hervor zu gehen. Vielleicht gelingt es ihnen, die Trennung ihrer Eltern aus einem anderen Blickwinkel zu sehen: als Veränderung und Neubeginn, mit vielen negativen und oftmals schmerzhaften Erfahrungen, aber auch mit neuen, positiven Lebensperspektiven. 2. Familien heute - Lebensweisen und Familienformen im WandelDie Mehrzahl der Kinder wächst zwar auch heute noch mit Vater, Mutter und eventuell ein oder mehreren Geschwistern auf, aber neben dieser Familienform haben sich verschiedene andere Lebensweisen entwickelt, wie z.B. die Patchworkfamilien, in denen Kinder unterschiedlicher Eltern zusammenleben, Alleinerziehende oder nicht verheiratete Paare mit gemeinsamen Kindern und Kindern aus einer früheren Ehe u.a.. Für viele Kinder bedeutet dies, dass sie im Laufe ihrer Kindheit und Jugend eventuell verschiedene Familienformen durchlaufen und somit nicht ihre ganze Kindheit in der Familienform verleben, in die sie hineingeboren wurden. Diese Veränderungen setzen enorme Anpassungsleistungen voraus, die Kinder bewältigen müssen. Sie eröffnen jedoch auch neue Möglichkeiten und Erfahrungen. Da veränderte Lebensformen auch innerhalb der Gesellschaft mehr und mehr akzeptiert werden (wobei hier dennoch ein hartes Stück Arbeit vor uns liegt), haben Partner heute die Möglichkeit, die Familienform zu wählen, die ihrer individuellen Vorstellung von Partnerschaft und Familie am ehesten entspricht. Sie haben somit auch die Möglichkeit, sich aus einer unglücklichen Beziehung zu lösen, um einen neuen Weg einzuschlagen. Gerade in einer Partnerschaft mit gemeinsamen Kindern ist dies leichter gesagt, als getan. Hier besteht eine enge Verbindung durch die gemeinsamen Kinder, die auch nach einer Trennung weiter besteht. Auch finanzielle Probleme nach einer Trennung belasten unter Umständen Eltern und Kinder. Dennoch ist es meiner Meinung nach besser, eine Partnerschaft aufzulösen, als in einer unglücklichen Beziehung zu verharren, da die unterschwelligen Konflikte auch die Kinder belasten. 3. Trennung und Scheidung - Krise und ChanceScheidung und Trennung ist für alle Familienmitglieder, insbesondere für die Kinder eine Krise, die bewältigt werden muss. Trennung und Scheidung birgt jedoch auch die Chance auf einen Neubeginn. Gerade wenn die Zeit vor der Trennung Konfliktbeladen war, kann die Trennung selbst trotz aller Anpassungsleistungen und Anforderungen entlastend sein. Von zentraler Bedeutung ist hierbei jedoch, wie die verschiedenen Phasen der Trennung/Scheidung verlaufen und in welcher Form insbesondere die Kinder Unterstützung erhalten, um diese schwierige Zeit zu meistern. 3.1 Kinder im Trennungs- und ScheidungsprozessDie Trennung ihrer Eltern bedeutet für die Kinder einen massiven Einschnitt in ihre bisherige Lebensweise und ist immer mit vielen verschiedenen Gefühlen verbunden. Für die Kinder ist die Trennung ihrer Eltern ein Schock, egal wie viel Streit und Missstimmung sie auch in der Zeit vor der Trennung erlebt haben mögen, die Kinder leiden immer unter der endgültigen Trennung. Sie lieben in der Regel beide Eltern und haben daher Angst, einen oder beide Elternteile zu verlieren. Für Kinder bedeutet die Trennung einen Bruch in ihrem Vertrauen den Eltern gegenüber. Die Familie ist ihr Schutzraum, der ihnen Sicherheit und Verlässlichkeit gibt, daher ist der Verlust eines Elternteils mit Ängsten, Wut, Trauer und Schmerz verbunden. In der Literatur werden verschiedene Faktoren dargestellt, die die kindlichen Reaktionen und Verarbeitungsmöglichkeiten einer Trennung beeinflussen. Bei den nachfolgenden Beschreibungen muss berücksichtigt werden, dass jedes Kind in seiner individuellen Persönlichkeit und mit seinen individuellen Möglichkeiten gesehen werden muss. Es ist also unmöglich, Pauschalaussagen zu machen, dennoch lassen sich typische Reaktionen und Bewältigungsformen darstellen. 3.2 Stadien der Trennungsverarbeitung und ihre Auswirkungen auf die KinderTrennung und Scheidung ist ein längerfristiger Prozess, der verschiedene Phasen durchläuft. Auch die Trennungsverarbeitung ist an diesen Prozess gekoppelt. Je nachdem, in welcher Phase der Trennung sich die Familie befindet, wird das Kind mit unterschiedlichen Ereignissen und Belastungen konfrontiert, die es verarbeiten und bewältigen muss. Nachfolgend möchte ich einzelne Phasen kurz beschreiben, um dann auf mögliche Auswirkungen auf die Kinder einzugehen. Die Beschreibung der Phasen habe ich dem Buch "Gruppentraining mit Kindern aus Trennungs- und Scheidungsfamilien" (siehe Literaturliste am Ende) entnommen. In der Ambivalenzphase werden Eheprobleme manifest, häufig beginnt ein gegenseitiger Rückzug. Einer oder beide Partner setzen sich mit dem Gedanken an eine Trennung auseinander. Wenn ein hohes Streitpotential zwischen den Eltern besteht, werden Kinder stark belastet, weil sie die veränderte Situation nicht einschätzen können und verunsichert werden. Jedoch auch wenn die Eltern nicht streiten, ist es meist so, dass die Kinder die negative, spannungsgeladene Atmosphäre wahrnehmen. Sie spüren, dass etwas nicht stimmt und entwickeln unter Umständen diffuse Ängste, weil sie nicht wissen, was zu der veränderten Familienatmosphäre geführt hat. Durch die Probleme und Zukunftssorgen, die die Eltern nun zu bewältigen haben, kann es sein, dass sie weniger Zeit und Aufmerksamkeit für ihre Kinder aufbringen können, obwohl die Kinder gerade dies nun bräuchten. Die Trennungsphase erfordert von allen Familienmitgliedern ein hohes Maß an äußerer und innerer Anpassung. Es müssen rechtliche, finanzielle und räumliche Fragen geklärt werden. Da die Eltern mit diesen Fragen und Problemen beschäftigt sind, ist ihre Verfügbarkeit für die Kinder stark eingeschränkt. Aber gerade jetzt brauchen Kinder Unterstützung und Halt, weil sie durch die veränderte Situation verunsichert sind und häufig mit ihren eigenen Gefühlen und Ängsten überfordert sind. Für Kinder bedeutet der Auszug eines Elternteils, dass sie vielfältige Aufgaben gleichzeitig bewältigen müssen. So muss die Beziehung zum abwesenden Elternteil neu gestaltet werden und der Verlust bearbeitet werden. Bei einem Umzug tritt ein zusätzlicher Wechsel in der Umgebung, dem Freundeskreis und evtl. im Schulbesuch ein. Je nach Familiensituation ändern sich die finanziellen Verhältnisse und ggf. die Berufstätigkeit der Eltern. Die Scheidungsphase dauert in der Regel zwei Jahre. In diesem Stadium stabilisieren sich allmählich die inneren und äußeren Lebensverhältnisse. Die Trennung ist endgültig vollzogen, meist sind die finanziellen Angelegenheiten weitgehend geklärt. Ein Umgangsmodell hat sich in dieser Phase in der Regel etabliert. Je nach Verlauf der Sorgerechtsregelungen muss sich das Kind mit neuen Bezugspersonen und Diensten, wie Jugendamt, Anwälten oder Richtern auseinandersetzen. Da sich die Situation in der Regel weitgehend geklärt hat, bekommen die zukünftigen Lebensbedingungen der Kinder eine klarere Struktur und dies gibt den Kindern mehr Sicherheit. Wenn sie erleben, dass der Kontakt zum abwesenden Elternteil weiterhin gegeben ist, ist es ihnen möglich, einen Teil ihrer Ängste und Befürchtungen abzubauen. Leider ist es jedoch auch häufig so, dass Kinder immer noch in die Konflikte ihrer Eltern eingebunden sind, weil sie von einem Elternteil oder auch beiden in die Streitigkeiten hineingezogen werden. Hier geraten Kinder dann in einen Loyalitätskonflikt, denn für Kinder ist es schwer sich für einen Elternteil gegen den anderen zu entscheiden, weil sie beide lieben. Innerhalb der Nachscheidungsphase, die oft mehrere Jahre dauert, findet die endgültige Umwandlung der Familie in eine neue Lebensform statt, oft bereits gekoppelt mit neuen Partnern der Eltern. Kinder müssen in diesem Stadium die Trennung endgültig verarbeiten und sich als "Scheidungskind" akzeptieren lernen. Gerade Jugendliche versuchen in dieser Zeit, Hintergründe der Trennung der Eltern aufzuarbeiten und sich von dem Trennungstrauma zu befreien. Innerhalb dieser Phase müssen eventuell Kontakte und Beziehungen zu neuen Partnern der Eltern und deren Familien aufgebaut werden. 3.3 Wie Kinder auf die Trennung ihrer Eltern reagierenKinder erleben eine Trennung anders als Erwachsene. Sie sehen sie nicht als eine Chance auf einen Neubeginn, sondern als Verlust eines Elternteils und als Verlust an Liebe, Zuneigung und Zugehörigkeit. Viele Kinder reagieren zunächst mit Trauer. Da die Eltern jedoch meist mit ihren eigenen Sorgen und Nöten beschäftigt sind, fehlt den Kindern die Unterstützung bei ihrer Trauerarbeit, was diesen Prozess unnötig verlängert. Kinder erleben nach der Trennung Gefühle wie Wut und Zorn. Sie sind ärgerlich, weil sie sich abgelehnt fühlen und weil beide Elternteile weniger Zeit für sie haben. Häufig entwickeln Kinder Schuldgefühle. Sie glauben, dass sie für die Trennung ihrer Eltern verantwortlich sind und suchen die Schuld bei sich. So kann es dazu kommen, dass die Kinder versuchen, besonders lieb zu sein, um die Eltern wieder zu versöhnen. Viele Kinder verdrängen ihre gefühlsmäßigen Reaktionen auf die Trennung ihrer Eltern, sie leiden im Stillen und sind oft sehr einsam. Reaktionen und Veränderungen im Verhalten der Kinder müssen daher sehr genau beachtet und wahrgenommen werden, denn sie sind Ausdruck des Bemühens, mit der veränderten Situation fertig zu werden. 3.4 Jungen und Mädchen reagieren unterschiedlichJungen scheinen zunächst stärker von einer Scheidung betroffen zu sein als Mädchen. Sie reagieren auf die Scheidungssituation eher mit nach außen gerichtetem Verhalten, sie agieren ihre Gefühle eher aggressiv aus und neigen stärker zu Verhaltensauffälligkeiten und Schulschwierigkeiten. Mädchen ziehen sich im Gegensatz eher zurück und versuchen den Erwartungen der Bezugspersonen zu entsprechen. Die Gefahr liegt hierbei darin, dass die Bedürfnisse der Mädchen übersehen werden und dass die Verhaltensweisen der Jungen Ablehnung oder Sanktionen hervorrufen, ohne dass die Signale richtig gedeutet werden. 3.5 Alterstypische Reaktionen von KindernSehr kleine Kinder reagieren häufig mit Angstzuständen, vor allen Dingen mit Trennungsängsten und Schlafstörungen. Sie sind schnell verunsichert und weinen häufig mehr. Es kann zu Rückschritten in der Entwicklung kommen, wie z.B. einnässen, obwohl sie bereits längere Zeit trocken waren. Ganz ähnlich zeigen auch Kinder im Vorschulalter ihren Kummer. Da sich Kinder dieser Altersstufe noch als Mittelpunkt der Welt erleben und häufig nur mangelhaft informiert werden, kommt es vor, dass sie die Schuld für die Trennung bei sich selbst suchen. Die Abwesenheit eines Elternteils wird als besonders schmerzlich erlebt und häufig als Liebesentzug aufgefasst. Ebenso entstehen leicht Ängste, auch vom anderen Elternteil verlassen zu werden. Kinder im Grundschulalter wenden sich verstärkt nach außen und sehen nicht mehr nur sich als Mittelpunkt der Welt. Dadurch wird es ihnen möglich, die Situation differenzierter zu sehen. Diese Fähigkeit hilft den Kindern, die Eltern besser zu verstehen und zu erkennen, dass es unterschiedliche Meinungen und Standpunkte gibt. Dieses bessere Verständnis birgt jedoch die Gefahr von Loyalitätskonflikten den Eltern gegenüber. Damit ist gemeint, dass Kinder gerne zu beiden Elternteilen halten wollen, was bei Konflikten zwischen den Eltern eine unlösbare Aufgabe ist. Die Kinder fühlen sich hin und her gerissen und hilflos. Durch die Schule erweitern sich die sozialen Kontakte der Kinder, das kann den positiven Effekt haben, dass sie sich Unterstützung durch Freunde oder auch Lehrer holen. Die Erwartungen, die jedoch nun an das Kind im Hinblick auf die Schule gestellt werden, gekoppelt mit den Belastungen durch die Trennung stellen häufig eine Überforderung dar. So kann es sein, dass die Kinder in ihren Leistungen abfallen oder Probleme im Sozialverhalten haben. Kinder in der Vorpubertät sind zunehmend in der Lage, über sich nachzudenken, die eigenen Gefühle zu erkennen und bewusst mit ihnen umzugehen. Sie sind in der Lage, sich ein eigenes Urteil über die Probleme ihrer Eltern zu bilden und besitzen zunehmend die Fähigkeit, die Gesamtsituation einzuschätzen. Der Austausch mit Gleichaltrigen wird immer wichtiger und bietet die Chance, fehlende Selbstbestätigung und Verständnis zu erhalten. Während in der Vorpubertät noch ein starker familiärer Bezug herrscht, beginnt mit der Pubertät der Ablöseprozess von Zuhause. Die Trennung oder den Rückzug der Eltern erleben Kinder in der Pubertät als besonders schmerzhaft, denn sie brauchen in dieser Zeit ganz besonders den Rückhalt und die Unterstützung ihrer Eltern, da sie erste eigene Ablöseversuche unternehmen. Dieser natürliche Ablöseprozess kann dadurch gestört werden. Hinzu kommt, dass Kinder dieser Altersstufe mit einer Reihe schwieriger und komplexer Lebensaufgaben konfrontiert sind. Neben körperlichen Veränderungen müssen sie ihre eigene Rolle in der Gesellschaft finden und den unterschiedlichsten Erwartungen gerecht werden. Die Probleme, die eine Trennung der Eltern mit sich bringt, können die Kinder/Jugendlichen in der Bewältigung dieser komplexen Lebensaufgaben behindern. Es ist daher insbesondere in dieser Alterstufe wichtig, die Kinder/Jugendlichen genau über Veränderungen zu informieren und sie in die gemeinsame Zukunftsplanung mit einzubeziehen. 4. Kinder brauchen UnterstützungKinder werden durch die Trennung ihrer Eltern mit vielfältigen Aufgaben, Gefühlen und Ängsten konfrontiert, es ist daher wichtig, sie bei der Bewältigung dieser Krise zu unterstützen. Da der Umgang der Eltern mit der Trennung von entscheidender Bedeutung ist, sind sie die ersten und wichtigsten Personen die das Kind unterstützen können. Es gibt viele Ratschläge, wie Eltern sich verhalten sollten. Da aber Trennung und Scheidung in jeder Familie anders verläuft und jedes Familienmitglied mit seinen individuellen Möglichkeiten reagiert, sind Pauschalaussagen immer schwierig. Es gibt dennoch einige wichtige Grundsätze, die sich als unterstützend und wichtig herausstellen lassen:
Da die Eltern in der Trennungssituation häufig überlastet sind, ist es wünschenswert, dass andere Erwachsene aus dem familiären Umfeld unterstützend mitwirken. Dies können die Großeltern, Onkel, Tanten oder befreundete Erwachsene sein, die das Kind gut kennt und zu denen es eine persönliche Beziehung hat. Diese Erwachsenen können dann in diesen anstrengenden Zeiten als Vertrauensperson für das Kind da sein. Gemeinsame Aktivitäten entlasten die Eltern und tun den Kindern gut, dabei haben die Kinder auch die Möglichkeit, sich jemandem mit ihren Sorgen anzuvertrauen. Befreundete Paare können den Kindern als Vorbilder für den Umgang zwischen Mann und Frau dienen, so wie gleichgeschlechtliche Erwachsene als Identifikationsmodell Orientierung geben können. Je älter die Kinder sind, umso mehr Kontakte knüpfen sie auch außerhalb der Familie. Hier können Freunde eine wichtige Funktion einnehmen. Die Kinder haben die Möglichkeit, sich mit Gleichaltrigen auszutauschen und in gemeinsamen Aktivitäten Freude und Ablenkung zu erfahren. Finden sich hier auch noch Freunde in ähnlichen Situationen, kann sich das positiv auswirken. Neben der Möglichkeit des Austausches über gemeinsame Erfahrungen und Gefühle, findet das Kind hier Bestätigung, dass es nicht alleine in dieser Situation ist. Gerade für Kinder, die sich schämen weil ihre Eltern getrennt sind, kann sich diese Solidarität günstig auswirken. 4.1 Unterstützung durch InstitutionenNeben der familiären Unterstützung haben sich auch andere Unterstützungs-angebote bewährt. Neben therapeutischen und heilpädagogischen Angeboten haben sich besonders auch Gruppen für Kinder aus Trennungsfamilien als sinnvoll erwiesen. 4.1.1 Gruppeninterventionsprogramme für Kinder mit getrennt lebenden oder geschiedenen Eltern In Köln gibt es einige Kindergruppen für Kinder aus Trennungsfamilien. Übergeordnetes Ziel dieser Gruppen ist es, den Kindern Raum zu geben, ihre Gefühle ausdrücken und bearbeiten zu können und mit Kindern in Kontakt zu kommen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden und dabei ähnliche Schwierigkeiten und Gefühle erleben. Scheidungsspezifische
Schwierigkeiten sollen erkannt, aufgegriffen und bearbeitet werden. Neue
Bewältigungsstrategien werden erlernt, um einen kreativen und konstruktiven
Umgang mit der veränderten Familiensituation zu ermöglichen.
Den Kindern sollen auch die positiven Aspekte der Scheidung aufgezeigt
werden, um sie den negativen Folgen gegenüber zu stellen. Die
Gruppen werden in der Regel von einem männlichen und einem weiblichen
Mitarbeiter geleitet. Das Grundthema Trennung und Scheidung zieht sich
durch alle Sitzungen, jedoch werden auch die individuellen Bedürfnisse
und Themen der Kinder berücksichtigt. Die Auseinandersetzung mit
den scheidungsspezifischen Themen erfolgt durch Gespräche, Filme,
Spiele und Bewegung. Spaß und Freude in der Gruppe haben dabei einen
hohen Stellenwert. Die
Gruppen richten sich in der Regel an Kinder im Alter von 8-12 Jahren.
Pro Gruppe nehmen ca. 8 Kinder teil. Für die Eltern finden zwei bis drei Elternabende statt, ebenso ein Vorgespräch, möglichst mit beiden Elternteilen und dem Kind gemeinsam, sowie Elterngespräche bei Bedarf. Zum Ende findet ein Abschlussfest für alle Beteiligten statt. 4.1.2 Psychotherapeutische und heilpädagogische Arbeit mit Kindern einzeln oder in Gruppen Die therapeutische und heilpädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen unterstützt die Kinder/Jugendlichen bei der Verarbeitung des Trennungsgeschehens. Sie haben hier die Möglichkeit, in Einzel- oder Gruppensitzungen die eigenen Gefühle von Angst, Wut und Schmerz auszudrücken und zu verarbeiten. Die Kinder/Jugendlichen setzen sich mit ihrer persönlichen, familiären und sozialen Situation auseinander und können mit Unterstützung des Therapeuten lebensnahe Bewältigungsstrategien erarbeiten. Die Arbeit erfolgt durch Gespräche, malen, Rollen- und Bewegungsspiele. Übergeordnetes Ziel ist es, sowohl die scheidungsbezogenen als auch die regulären Entwicklungsschritte zu bewältigen, um zu einer positiven Lebensperspektive zurückzufinden. Konkret bedeutet das z.B., dass die Kinder/Jugendlichen ihre Gefühle nach der Trennung ihrer Eltern nicht ausschließlich auf den Trennungsprozess richten, sondern sich möglichst bald wieder dem eigenen Leben zuwenden sollten, damit sich ihr Alltag normalisiert. 4.1.3 Kinder in der Mediation Mediation ist ein Verfahren, dass für Eltern im Trennungs- und Scheidungsprozesses von verschiedenen Einrichtungen angeboten wird. Innerhalb der Mediation werden die Partner durch eine speziell ausgebildete Person (MediatorIn) darin unterstützt, die bei der Scheidung anstehenden Probleme zu regeln. Der Mediator/die Mediatorin unterstützt die Konfliktpartner als neutrale Person darin, gemeinsame Lösungen zu finden, die für beide Partner fair und akzeptabel sind, ohne dass einer in diesem Konflikt zum Verlierer wird. Die Lösung soll von beiden Partnern gemeinsam erarbeitet werden. Da innerhalb der Mediation auch Fragen zu Sorgerechts- und Umgangsregelungen geklärt werden, besteht die Möglichkeit, die Kinder in den Mediationsprozess einzubeziehen. Nicht alle Mediatoren/Mediatorinnen befürworten die Beteiligung der Kinder. Das muss im Einzelfall mit dem Mediator/der Mediatorin geklärt werden, wobei hier auch das Alter und der Entwicklungsstand des jeweiligen Kindes berücksichtigt werden sollte. Grundsätzlich ist es sinnvoll, die Kinder dann einzubeziehen, wenn die Eltern sich bereits in grundlegenden Dingen geeinigt haben, um dann die Kinder an den Belangen, die sie selbst betreffen zu beteiligen. Die Beteiligung der Kinder innerhalb der Mediation bietet die Chance, sie aus ihrer hilflosen Objektrolle zu holen, um sie mit ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu berücksichtigen. Dadurch ist es möglich, die Elternvereinbarungen den Belangen der Kinder anzupassen. Wenn Kinder innerhalb der Mediation erleben, dass die Eltern ihre Verantwortung für die Überwindung der Familienkrise übernehmen, können sie einen Teil ihrer Schuldgefühle aufgeben und erleben so auch, wie Streit und Konflikte einvernehmlich gelöst werden können. Da die Eltern innerhalb der Mediation nicht um Gewinnen und Verlieren kämpfen, sondern um eine Einigung bemüht sind, können die Kinder ihre Loyalität zu beiden Elternteilen aufrechterhalten. 5. Literatur zum Thema Trennung/ScheidungEinen Teil der Inhalte meiner Ausführungen habe ich verschiedenen Büchern entnommen, die ich nachfolgend aufführen möchte: John M. Haynes:
Scheidung ohne Verlierer Peter Balscheit-
von Sauberzweig u.a.: Scheidung, was tun wir für
unsere Kinder? Dr. Doris Märtin:
Die sanfte Scheidung -Mediation- W. Jaede, J. Wolf,
B. Zeller-König: Gruppentraining mit Kindern
aus Trennungs- und Scheidungsfamilien Barbara Lorinser:
So helfe ich unserem Kind durch die Scheidung W. Buchholz-Graf,
C. Vergho (Hrsg.): Beratung für Scheidungsfamilien |